Törnbericht BR 14/2017: Sault Ste Marie - Bayfield Teil 4

Houghton Bridge

Houghton Bridge 05:00 Uhr

Um 05:00 Uhr klingelt der Wecker, um 05:45 Uhr legen wir ab und pünktlich um 06:00 Uhr hebt sich die Brücke für uns und einen weiteren Segler. Ein tolles Bild: Der gigantische Stahlkoloss bewegt sich langsam nach oben und bleibt in 100 feet Höhe stehen, um uns die Durchfahrt zu gewähren.


Wir schielen auf unseren Mast und hoffen, dass es passt - die Perspektive ist wie immer grausam. Dem Waterway folgen wir bis zum Ausgang in den Lake, die Crew verbringt die Zeit mit einem ausgiebigen Frühstück und ich schaue neidisch zu, hole es aber später nach. Danach sind 10 Stunden segeln pur auf einer Backe angesagt.

Der Optimierer

Quelle Crew: Der Optimierer

Mit glänzenden Augen optimiert unser Regattasegler Go den Segel-Trim. Wir erreichen Washington Hbr. auf der Isle Royal (National Park) gegen 15:30 Uhr, rechtzeitig vor einem Gewitter, das sich auf der kanadischen Seite des Sees zusammenbraut. Die Parkranger weisen uns einen Platz am Steg zu, an dem wir auch den Folgetag verbringen. Landausflüge und die grandiose Natur prägen diesen Tag. Elche, Wölfe und sonstiges Getier interessieren sich nicht für uns und zeigen sich nicht. Dafür besuchen wir einen Vortrag der Parkranger und erfahren auf diesem Weg, was unseren Blicken leider verborgen bleibt.

Im Paradies

Quelle Crew: Im Paradies

Am 1. August feiern wir mit unserem Schweizer Crewmitglied Brigitte den Nationalfeiertag mit einem besonderen Frühstück - es gibt Spiegeleier mit Speck. Wir verlassen ungern diesen schönen Ort, an dem wir uns wohl gefühlt haben. Nachdem wir den schützenden Fjord verlassen haben, bläst uns der Wind auf offener See direkt auf die Nase und wir müssen wieder den Diesel zur Hilfe nehmen, um nach Grand Marais in Minnesota zu gelangen. Die BRIGANTIA benimmt sich wie ein Gigampfiross (Schweizer Ausdruck für Schaukelpferd) und hat für den Rest des Törns ihren Spitznamen.
Unterwegs nervt uns das elektronische Anzeigegerät des Motors mit „Tiefenalarm". Es zeigt einen Meter Wassertiefe an obwohl wir mindestens 100 Meter unter dem Kiel haben. Grund hierfür sind möglicherweise Wasserschichten mit unterschiedlichen Temperaturen und Dichten. Gegen 16:00 Uhr erreichen wir unser Ziel und werden bereits vom Hafenmeister erwartet. Ein gutes Gefühl, die Planung hat sich gelohnt. Für Abwechslung sorgt ein verspielter Otter, der sich auf dem Steg vergnügt. Zum Abendessen statten wir der „Ärgerlichen Forelle" (Angry Trout) einen Besuch ab. Der nächste Tag soll uns ans Ziel unseres Törns ins 65 sm entfernte Bayfield und die Apostle Islands bringen. Wir hoffen auf den prognostizierten Wind und einen satten Halbwindkurs. Um 05:00 Uhr beginnt für uns der Tag, wir laufen im Morgengrauen aus und setzen die Segel. Der Wind ist mit 3-4 bft nicht das, was wir erhofft hatten und wir müssen um unsere ETA zu erreichen teilweise den Motor zur Hilfe nehmen. Am Horizont baut sich eine Squall Line auf und kommt sehr rasch näher. Wir sind beunruhigt und legen einen Zahn zu.

Devils Island

Quelle Crew: Devils Island in den Apostles

Wir erreichen gegen 14:00 Uhr die Apostles und können sie bei wunderbarem Wetter mit der Genua durchsegeln. Der Wind frischt weiter auf und wir erreichen noch vor dem Sturm die sichere Marina in Bayfield. In der Nacht und am nächsten Tag tobt sich der Sturm mit Windstärke 9 und 3 Meter hohen Wellen richtig aus. Das war gutes Timing, denke ich mir und genieße zufrieden die behagliche Gemütlichkeit in der BRIGANTIA. Bis zur Übergabe an die nächste Crew wird noch getankt und gründlich geputzt. Dies geschieht wie immer am Freitag mit zum Glück wenig Wind und bei strahlendem Sonnenschein.

Abschied von Bayfield

Quelle Crew:Abschied von Bayfield

Wir verabschieden am Samstagvormittag Imme und Go, die von hilfsbereiten Einheimischen kostenlos zum 60 Meilen entfernten Duluth gebracht werden. Dort starten sie ihre Wohnmobilreise in den Norden Kanadas. Die Folgecrew kommt geschlossen mit ihrem Mietwagen gegen 14:00 Uhr an und übernimmt die BRIGANTIA. Wir übernehmen ihren Mietwagen und fahren damit ebenfalls nach Duluth, um von dort am Sonntag die Heimreise nach Europa anzutreten.
Es war ein besonderer, sicher einmaliger Törn, der uns zum größten Binnensee der USA und zum zweitgrößten Binnensee der Welt gebracht hat. Die Eindrücke werden sich lange in unserer Erinnerung halten. Es hat sich gelohnt. Vielen Dank der GfS für die Möglichkeit, dieses neue Segelrevier entdecken zu dürfen.
                                                                                                                                                                                                                                                                                 HRB